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Behindertensport macht (Robert-Schuman-) Schule

08.04.2024 –  Der Autoführerschein auf Probe ist den meisten bekannt: Für eine Dauer von zwei Jahren sollen Führerscheinneulinge zeigen, dass sie sich normgerecht im Straßenverkehr bewegen können. Eine andere Art von Probezeit erlebten Schülerinnen und Schüler des Wirtschaftsgymnasiums. Sie erlebten zwei Schulstunden lang, wie man sich bewegt, wenn man im Rollstuhl sitzt – mit einer Behinderung auf Probe.

Wenn sich zwanzig Personen in Rollstühlen durch die Schulturnhalle bewegen, ist das schon ein Hingucker: Erst fahren alle im großen Kreis rechts herum, dann wechseln sie auf Kommando die Richtung und es geht gegen den Uhrzeigersinn. Immer und immer wieder findet ein Richtungswechsel statt, und die Schülerinnen und Schüler sind schwer damit beschäftigt, ihren Rollstuhl unter Kontrolle zu halten.

Die Kommandos gibt Roland Blanke, ein Mann mit Kopftuch und Tätowierungen. Er selbst bewegt sich auch im Rollstuhl fort, macht das aber sehr viel geschmeidiger als die Schülerinnen und Schüler, die seinen Anweisungen Folge leisten sollen. Kein Wunder, Blanke hat deutlich mehr Zeit im Rollstuhl verbracht als die Jugendlichen. Er ist seit einem Motorradunfall auf den Rollstuhl angewiesen und versucht, die Schülerinnen und Schüler zu sensibilisieren: Es kann jeden treffen, egal wie alt.

Roland Blanke, der für den Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband e.V im Rahmen des Schulprojekts „Behindertensport macht Schule“ an die Robert-Schuman-Schule gekommen ist, will aber nicht nur Betroffenheit erzeugen, sondern zeigt, dass man auch mit Rollstuhl im Leben zurechtkommen kann. Gemeinsam mit Daniel Merkel hat er die Rollstühle mitgebracht und leitet an diesem Vormittag drei Veranstaltungen für RSB-Schülerinnen und –Schüler. Und nach einiger Zeit bemerkt man auch bei den Jugendlichen Fortschritte im Umgang mit ihrem Rollstuhl. Am Ende reicht es dann sogar für ein Spiel Rollstuhlbasketball.

Nach zwei Unterrichtsstunden stehen die Schülerinnen und Schüler aus den Rollstühlen auf und lassen ihre Behinderung auf Probe hinter sich. Was nehmen sie mit? Eine größere Sensibilität für die Bedürfnisse von Menschen im Rollstuhl und eine ordentliche Portion Respekt für deren Leistungen, seien es sportliche oder alltägliche, lautet die Antwort einer Schülergruppe. Denn auch wenn sie teilweise ganz gut mit dem Rollstuhl in der Sporthalle umgegangen sind, mit dem Rollstuhl draußen zu fahren, das sei dann doch eine andere Nummer.

Text: Bastian Epple-Streif Foto: Bastian Epple-Streif / BBS